Eine Zeitreise durch Pasing, Obermenzing und Aubing
Die Pasinger Mariensäule
Ein Wahrzeichen auf Wanderschaft


Am Samstag, den 21. Oktober 2000 jährte sich zum 20sten Mal "Der Tag der Pasinger Mariensäule". Wie jedes Jahr wurde dieses Ereignis auch heuer mit einer Marienandacht in der Pfarrkirche Maria Schutz und einer anschließenden Lichterprozession zur Pasinger Mariensäule gefeiert. Begleitet wurde der Zug von zahlreichen Vertretern der Pasinger Vereine mit deren Fahnen und hunderten von Bürgern, vom kleinsten im Kinderwagen bis zum Ältesten, der schon vorzeitig seinen Platz nahe dem Denkmal eingenommen hatte. Musikalische Höhepunkte setzen der Kinderchor von "Maria Schutz" und die Pasinger Jugendblaskapelle. Hunderte kleiner Lichter säumten den Weg und Feuerwehr und THW leiteten den Verkehr um.
Ein wirklich großer Tag für das Pasinger Wahrzeichen, und für uns der passende Anlass, unseren Streifzug durch die Geschichte Pasings genau hier zu beginnen.

Pasinger Mariensäule
Manchen Betrachter erinnert sie an eine Rakete, andere sehen eher den Obelisk in ihr. Auf alle Fälle steht die goldene Maria auf ihrer Säule an einem der bedeutungsvollsten Plätze in Pasing. Mit einem Blick nach rechts, durch die Landsberger Strasse, am Rathaus vorbei, sieht sie jeden Morgen über der Münchner City die Sonne aufgehen. Nach links erlebt sie fern über der Bodenseestraße mach' traumhaften Abendhimmel. Gradaus, nur ein bisserl ums Eck, verfolgt sie täglich das lebhafte Treiben in der Gleichmannstrasse. Und könnt' sie sich umdrehen, dann hätte sie bei Föhn durch die Planegger Strasse auch noch freien Blick auf die Alpen.
Erstmalig eingenommen hat die goldene Marienfigur diesen zentralen Platz aber nicht vor zwanzig, sondern schon vor 120 Jahren, als noch Pferdekutschen durch die Strassen fuhren. Nur gerade mal 28 Jahre stand die erste Pasinger Mariensäule, deren Herstellung 1880 hauptsächlich aus Spendengelder von Pasinger Bürgern finanziert wurde. Und es waren 28 aufregende Jahre ...

Pasinger Marienplatz 1904...als beispielsweise 1897 Pasing den elektrischen Strom erhielt (übrigens 2 Jahre vor München), oder als 1900 das erste Auto durch Pasing fuhr. Und auch die Feierlichkeiten, am 1.1.1905 als Pasing zur Stadt erhoben wurde, erlebte die Mariensäule in vollem Glanz mit, bis sie nur drei Jahre später der Modernisierung zum Opfer fiel.

Die Pläne des Trambahnbaus, die Pasing mit München besser verbinden sollte, verdrängten die Säule und schickten die Marienfigur auf Reisen. Weit ist sie nicht gekommen, im alten Pasinger Rathaus, dort, wo sich heute die Volkshochschule befindet, fand die zierliche Figur ihren ersten Unterschlupf. Um 1918, wohl während der Novemberrevolution erwies sich ein Stadtbediensteter als tapferer Retter, und brachte die Maria in die Obhut der Englischen Fräulein an der Planegger Strasse. Dort wurde sie nicht nur gehütet und gepflegt, sondern erhielt auf einem Sockel, einen geradezu paradiesischen Platz auf der Klosterinsel, deren Geschichte wir zu einem späteren Zeitpunkt erzählen möchten. Abgesehen von den Ordensschwestern und ein paar jungen Besuchern aus einem Kindergarten und der Schule, konnte die Maria über einige Jahrzehnte nur von wenigen Leuten bestaunt werden.

Marienfigur aus PasingBetrachtet man heute die Bilder der Zerstörung durch das dritte Reich, dann war es genau dieser abgeschiedene Ort, dem es zu verdanken ist, dass wir heute wieder das Original der Marienfigur auf ihren alten Platz bewundern dürfen. Die Rückkehr der Goldenen Maria auf dem Pasinger Marienplatz wurde erstmalig 1952 von Rektor Albertskirchinger initiiert. Zwar befürwortete der damalige Pasinger Bezirksausschuss den Antrag auf Wiedererrichtung, nicht aber die Münchner Stadtverwaltung, die wahrscheinlich die Kosten des Vorhabens scheute.

Mit dieser Erfahrung wurde für den zweiten Anlauf, etwa 25 Jahre später, eine völlig andere Vorgehensweise gewählt, die nicht nur den Erfolg der Rückkehr unserer Mariensäule auf ihrem alten Platz mit sich brachte, sondern auch heute noch aktiv für die Erhaltung von Kunst und Kultur in Pasing eintritt.

Pasinger Marienplatz bei NachtEs handelt sich dabei um den Verein "Pasinger Mariensäule e.V.", der vor gut zwanzig Jahren von honorigen Pasinger Bürgern und Bürgerinnen zum Zweck der Wiedererrichtung gegründet wurde und auch heute eine große Rolle im Öffentlichen Pasinger Leben spielt.

So veranstaltet der Verein nicht nur die Eingangs erwähnte Jahresfeier der Mariensäule, sondern z.B. auch den Pasinger Weihnachtsmarkt vor der Pfarrkirche Maria Schutz, der zwar recht klein, aber traditionell weihnachtlich ist. Bekannt ist der Verein "Pasinger Mariensäule e.V." auch als Gastgeber des Pasinger Wildessens in Rathaussaal, und Stifter des Pasinger Kunst- und Kulturpreises.

Für das historische Bildmaterial und die geschichtlichen Inhalte danken wir dem Verein Pasinger Archiv e.V., in Personen Herrn Helmut Ebert und Thomas Hasselwander, herzlich.
Als nächste Station auf unserem historischen Streifzug möchten wir eine Burg vorstellen, die früher genau dort stand, wo sich heute die Bahnschienen stadtauswärts befinden.

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