Neuere Historie
Richtspruch
von Michael Schwankhart


Am 13. November 2001 hat sich die städtische und Pasinger Prominenz neben den vielen am Bau Beteiligten im neuen Erweiterungsbau zu einem Richtfest eingefunden.
Neben den Hauptrednern Horst Haffner [Baureferentt], Oberbürgermeister Christian Ude und Thomas Böhle [Personal- und Organisationsreferent], die ausnahmslos den Erweiterungs- und Umbau des Pasinger Rathauses in ein sehr positives Licht stellten, konnte der BA-Vorsitzende Andreas Ellmaier durchaus einige Punkte aufzeigen, die weniger gut verlaufen sind - u.a. waren dies die sehr moderne Architektur, z.T. eklatante Abweichungen von einem Meter in der Planungsphase und die mangelnde Berücksichtigung der Meinung des Bezirksauschusses.

Dennoch waren sich die Redner einig, dass Pasing mit dem neuen Gebäude und den darin enthaltenen Institutionen [Bürgerbüro, Sozialbürgerhaus, Bezirksverwaltung Pasing, Geschäftsstellen aller Bezirksausschüsse im Münchner Westen, Standesamt, Mütterberatung, usw.] seine herausragende Stellung in München noch weiter ausbauen wird.

Der 24,5 Millionen Mark teuere Bau, geplant von den Architekten Landau + Kindelbacher, wurde im Oktober 2000 begonnen und soll bis Ende 2002 fertiggestellt werden.

Höhepunkt der Reden war aber ein ausgefeiltes und höchst amüsantes Gedicht über die Geschichte des Pasinger Rathauses, den Erweiterungsbau und die verschiedenen Beteiligten, verfasst und vorgetragen von Michael Schwankhart, einem Mitarbeiter des Baureferats Hochbau:

Sehr geehrte Richtfest Gäste
i glaub für'n Anfang wär's das Beste
dass ich Sie grüße vor der Hand:
Ein herzliches Grüß Gott bei'nand.

Von allen die heut hierher kamen
kenn' ich nur wenige beim Namen,
doch keiner der hier her gekommen
wird von dem Gruße ausgenommen,
der direkt oder indirekt
beteiligt war an dem Projekt.

In diesem ganz speziellem Falle
grüß' ich zunächst die Bau Leut' alle
die oft sogar auch noch bei Nacht
mit ihrer Arbeit weiter g' macht,
weil andernfalls da ständen wir
schon heute, ganz gewiß nicht hier.

Ich Grüß' Herrn Oberbürgermeister Christian Ude
als obersten Vertreter uns'rer Stadt
die abermals bewiesen hat
dass s'in den Zeiten des sich Wandelns,
in den Mittelpunkt all ihres Handelns
den Souverän, den Bürger stellt,
dass ihm nichts mangelt und nichts fehlt.
Und, um ihm Wege zu ersparen
die früher einmal nötig waren.

Herr Haffner als Baureferent,
wird auch sehr lobend heut erwähnt
weil der hat hier mit seine Leut'
den Bau bisher sehr gut betreut
der nun, mit Richtkrone geziert,
im Rohbau sich nun präsentiert.
Die Pasinger möchte ich begrüßen
weil einige davon, von diesen,
die hab'n ganz schön was mitgemacht:
bei Tage und auch oft bei Nacht.
Daran sei bei dem Gruß gedacht.

Im Jahre 763 is's g' wesen
das kann man in den Büchern lesen
dass ganz genau zu dieser Zeit
der Fürst Paoso mit seine Leut'
vom alten Bayuwaren Stamm
per Roß und Wagen hierher kam
und, dass s' dann auch gleich hier g' blieb'n sand,
weil's fruchtbar war, um d' Würm, des Land.

D'rum sind's auch immer mehra word'n
und's Dorf is g'wachsen hint und vorn'
und so was zieht das Handwerk an,
weil s' wissen dass, wo mehra san
und wo a Menge Leute leben,
gibt's auch a Arbeit zu vergeben.

Und weil s' so nah bei München waren
haben dann im Laufe von den Jahren
betuchte Bürger her geschaut
und nah der Würm ihr Villa g' baut,
wo kühle Wasser plätschernd fließen,
um hier den Sommer zu genießen.

Wiederum nach einer Zeit, war's 1905 soweit
da hab'n s' die Stadtrechte bekommen,
die Bürger die in Pasing wohnen
und kurz d' rauf ist die Eisenbahn
von München bis nach Pasing g'fah'n.

Mein Gott, was war das für a Freud
in Pasing drinn bei alle Leut',
jetzt hab'n s'a no a Rathaus g' kriegt
das mitten drinn in Pasing liegt
um hier in diesem Haus herinnen,
die Bürger und die Bürgerinnen
verwaltungstechnisch, zu bedienen.

Doch dieses Glück war nicht von Dauer
wo d'Sonne scheint, ist auch ein Schauer
und der kam in die 30ger Jahr,
wo jeder weiß was damals war!
Der Wahnsinn hat sein Anfang g'nommen
und dann auch noch an Fahrt gewonnen.

Das mit der Stadt, das war einmal!
Ganz einfach so, auf Knall und Fall,
hab'n s' Pasing's Stadtrecht streitig g'macht
und was s' dagegen vorgebracht
das hat von Haus aus nicht gegolten.
Sie hab'n des g'nommen, was sie wollten
und hab'n s'nach München rein getrieben:
Doch Pasinger, sind sie geblieben.

Der Wiederaufbau war net leicht
weil all's hat hint' und vorn net g 'reicht.
Da soll ma dann a Stadt aufbau'n.
und nix zum essen, nix zum kau'n
und quasi, aus dem Nichts heraus
entsteht schön langsam Haus um Haus.

Die Hoffnung trieb sie alle an
vom kleinsten bis zum größten Mann.
Ein jedweder hat mitgemacht
und darum hab'n s 'es fertig g' bracht
daß sie nach all den Hungerjahren
nun Bürger einer Großstadt waren,
die s'miteinander aufgebaut.

Und Milliarden haben zugeschaut
wie man in uns'rer Münchner Stadt
d'Olympiade ausg'richt hat.
Jetzt, sind's mit'm Herzen Münchner word'n,
obwohl s' in Pasing drunt' gebor'n.

Mit S- mit Bus und Straßenbahn
kann d' Mamma jetzt in d' Stadt rein fah'n
und sich ein schickes Kleidchen kaufen
dass d'Leut in Pasing z' samma laufen
wie Sie in's Rathaus rein stolziert.
Auf daß ihr Paß, verlängert wird.

Für niemand ist es ein Genuß,
wenn man was braucht und warten muß.
Wohin man auch im Rathaus geht,
gibt's jemanden der vor dir steht
und der hat einen Vordermann
und der wenn Glück hat, kommt der dran!

Da brauchst fei scho a mords Geduid
dass d' da net hanntig wirst und wuid.

Zuerst war's der Bezirksausschuß,
der in die 'Bäckerstraße muß
und dem folgt dann das Jugendamt,
des hab'n s' in d' Hillernstraß' verbannt
und jetzt schon wieder diese Enge
im Rathaus drinn'n, in dene Gänge.

Am besten wär's scho g' wen i wär,
in's Zentrum nei, in's KVR.

Ist das vielleicht der Sinn der Sache,
dass man's dem Bürger schwerer mache?
Das widerspricht total dem Geist
der Dienstleistung und Nähe heißt.
Das war dem Münchner Stadtrat klar,
dass' s so, wie in die letzten Jahr,
koa Zustand, für an Bürger war.

Nur, wenn man diesem Geist entspricht
dann geht das ohne Neubau nicht!
Doch dann, schaut auch ein Bürgerhaus
für d' Pasinger dabei herraus
das man im Neubau integriert
und all's, was dezentralisiert,
das wäre dann in diesem Fall
zurück im Hause und zentral.

Die Mieten die nicht billig waren,
die könnte man sich damit sparen
und der Betrag der ist dann gleich
im 7 stelligem Bereich.
Das wär' ein Synergieeffekt
der positiv zu Buche schlägt.

Das dass war klar, klar das wiso
und klar war hier auch noch das wo,
was sie nicht wußten war das wie:
Und das genau, das wußten sie.

Doch mit Herrn Haffner stimmt man überein
das Haus muß zukunftsweisend sein.
das in Funktion und vom Gesicht,
höchsten Ansprüchen entspricht.

Herr Landau und Herr Kindelbacher
die hab'n das Feingefühl daß sowas macha.
Die hab'n den Architekten Förderpreis der Stadt erhalten
und soll'n den Neubau so gestalten
dass sich in architektonisch zeitgemäßer Schrift,
das Neue, mit dem Gestern trifft.

Gemeinsam mit dem Hochbaureferat,
dass dies' Projekt geleitet hat
begann man nun zu kalkulieren,
zu rechnen und zu diskutieren,
um d' Flächen die längst nötig waren
bei dieser Planung zu erfahren,
damit für'n Bürger und für's Personal
die Räumlichkeiten ideal.

Dabei kam dann auch noch heraus
wie hoch, wie lang und breit das Haus
im Idealfall werden muß.
Und damit war's dann z'erst mal Schluß
und man hat ein Modell gebaut,
dass der BA nur grad so schaut.

"Soll des da, unser Rathaus sein?
Da sag'n ma zerst amal glei nein!
Wir woll'n schon auch ein neues Haus
doch so schaut unseres nicht aus.
Das Rathaus stellt ein Denkmal dar,
wie man im 38ger Jahr
uns nach München heimgeführt
und damals hab'n ma paraphiert
dass an dem Haus nix g'ändert wird."

"Und ihr kommt's jetzt mit so was da,
na wirklich wahr, a so was na."

"Warum hat uns denn keiner g'fragt
wir hätten's euch sofort gesagt
der Gesammteindruck muß bleiben,
sonst könnts ihr euch des gleich verreiben."

"So, verliert das Haus sein G'sicht
und das genau, das woll'n ma nicht.
Und weil das einfach klar sein muß,
wir san doch koa Bezirksausschluß."

Der Pasinger ist ohne Frage
ein streitbarer von wachem Schlage
drum hab'n s' jetzt auch nach allen Seiten
angefangen mit dem streiten.

"Das woll'n ma scho z' erst prüfen lassen
ob Alt und Neu, so z' sammen passen,
dass 's Alte an Gewicht verliert
weil's Neue Haus, so dominiert."

"Ach was, meint da der Architekt
ganz aufgewühlt und fast erschreckt,
der Neubau drängt sich doch nicht vor
des is doch wirklich war net wor,
die zwei stell'n ein Ensemble dar
von Neuer Zeit und der die war.

Das mögen bitte die Experten
an dieser Planung, hier bewerten."

Schön langsam kriegt man da a Ahnung,
wie kompliziert a so a Planung
und oft war's auch kein Zucker schlecken,
bis alle in oam Hut drin'n stecken.
Doch dann war jener Punkt gekommen
wo jeder g' wußt hat, er hat gewonnen.

Und just von dieser Stunde an
ging's zielstrebig und flott voran.
Man hat noch einmal all's durchdacht,
hat dies und jenes ander's g'macht
und dann sagt auch die LBK
zu dieser Planung, deutlich ja.

Champagner Luft und blauer Himmel,
auf dem Marienplatz Gewimmel
von Leuten die in Gruppen stehn
um hier das Glockenspiel zu sehn,
das unser Münchner Rathaus ziert
und wo heute entschieden wird,
ob's Bürgerhaus nach Pasing kimmt.
Darüber hat man abgestimmt.

Dann galt die Sache als beschlossen,
die ersten Gelder sind geflossen
der letzte Werkplan war kopiert
und Zeit is wordn, das ang'fangt wird.
Weil, wenn der Geist und das Hirn niemals ruhn
weiß dann auch die Hand, das ihre zu tun.

Der Tag war jung und es war still
am Grundstück, wo man bauen will.
Dann hat's gekracht und hat gescheppert,
als man die Baukörper zerdeppert
weil das ist laut und macht an Dreck,
doch die 2 Häuser müssen weg
da führt kein Weg darum herum!

Und noch mal kracht es und macht bumm,
weil jetzt hat man gleich hier vor Ort
ein tiefes Loch in's Erdreich bohrt
und sofort mit Beton ausg'gossen,
der mittels Schlauch ins Loch geflossen,
damit das Loch zum Bohrpfahl werde.
Und der stand jetzt hier in der Erde.

Dicht bei dicht fest beieinander,
steht jeder Bohrpfahl wie der ander'
und so entsteht a ganze Wand
die eisenhart im Erdreich stand,
als dieser Arbeitstrupp verschwand.

Erst dann hab'n s' damit angefangen
weil ohne Wand wär' nichts gegangen,
a breite Grube auszuheben
und in die Tiefe vor zu streben.

Viele Lastkraftwägen kamen
die diesen Aushub mit sich nahmen
und dann sind s' über's Land gefahren,
weil bei jeder Deponie wo s' waren
hab'n s' das, was in ihr'm Kipper liegt,
nicht auf einer, los gekriegt.

Die Nächte die sind kälter g'wor'n
und hab'n den Bauschutt tief gefrohr'n
doch dann war's endlich doch soweit,
da war a Deponie bereit
die hat den ganzen Bauschutt g'nommen.
Und kurz darauf is's Christkind g'kommen

In dem Jahr kam der Winter früh
und zwang die Baustell' in die Knie.
Es war unmöglich daß man baut,
a so hat 's Wetter runter g' saut.
Doch als das Frühjahr endlich kam,
fing auch die Arbeit wieder an.

Was war das für a Hetzerei
ein hin und her und ein Geschrei.
Der Zimmerer, der gute Mann
der fing vor Lust zu kreischen an,
fast so, so wie sein Sägeblatt,
das zwar sehr dünn, doch Zähne hat.

Viel' Menschen sieht man sich nun regen,
die Hand an diesen Rohbau legen,
hab'n Eisen g'flochten, Draht gebogen
und ein Skelett nach oben g'zogen,
in dessen Flechtwerke man dann
d' Versorgungsschächte finden kann,
die diesen Baukörper durchziehn
auch in den Innenwänden drin.

Die erste Decke war gespannt,
von hint' nach vorn und bis zum Rand
von wo's mit bestem Baugerät,
nun stufenweis' nach oben geht.

Während dem ganzen Baugeschehn
da is dann schon auch oft so g'we'n
dass s' im Rathaus drinn'n, wo g'arbat't werd
der Lärm vom Bau, die Leut' arg stört,
den man den ganzen Tag lang hört.

Doch als man endlich dann die Wänd'
die den Bestand vom Neubau trennt
mit Presslufthämmer demontiert,
war Alt und Neu zusammen g'führt.

Der Sommer war ins Land gegangen
und man hat damit angefangen
dass man die Heizkörper montiert
und's Sanitäre installiert.

Vom Keller drunten bis ganz nach ob'n,
zieht man die Leitungen für'n Strom
auf daß man ihn in Zukunft dann,
aus jeder Dose zapfen kann.

Genug gesagt, i glaub des langt,
jetzt wird es Zeit, dass man euch dankt.
Schenkts ma 's erste Glas'l ei',
na laß' mas hochleb'n, nach der Reih'!

Das erste Glas möchte ich erheben
Bau und Hausherr sollen leben
Den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München
Herr Christian Ude
und alle Stadträte die dieses Haus ermöglichten.

vom Direktorium
Frau Loesewitz

Frau Hulbe und Herr Todt
vom Personal und Organisationsreferat

Herr Lang und Herr Mathes
von der Bezirksverwaltung Pasing

Frau Hieronymus
vom Sozialreferat

und vom Referat für Gesundheit und Umwelt
Herrn Dr. Konrad

Sie leben hoch, hoch, hoch.

Nun wird wie's Brauch und euch zur Ehr,
das Glas zerschlagen weil es leer.

Den Planern und dem Werk zu Ehren
möchte ich das zweite Glas nun leeren.

Für die Entwurfs und Ausführungsplanung
Das Architekturbüro : Landau und Kindelbacher
Herrn Landau
Herrn Kindlbacher
und Frau Horn

Für Projektleitung und Vorplanung:
das Baureferat Hochbau 1
Herrn Langer
Frau Benz
Frau Reiser
Frau Lenz
Frau Ehrmann
und Herrn Killen

Für die Projektbetreuung
das Baureferat Hochbau 6 / H7 / H8 und HZ
sowie die Hauptabteilung Gartenbau

Für die Bauleitung:
Herrn Diplom Ingenieur Rauch

Für die Tragwerksplanung: Ing. Büro Dr. Kugler
Herrn Dr. Kugler
und Herrn Prennig

Für die Haustechnik: Ingenieur Büro Ulrich
Herrn Ulrich

Für die Elektroplanung: Ingenieur Büro W + H
Herrn Wichmann
und Herrn Gießner.

Für die Fördertechnik: Baureferat Hochbau 7
Frau König

Für die Kommunikationstechnik: Baureferat Hochbau 8
Herrn Kleedörfer

Für den Landschaftsbau: Huuk Landschaftsarchitekt
Herrn Winab

Für Kunst am Bau
Herrn Andreas Hofer
und allen Sparten und Fachingenieuren
die hier noch zu erwähnen wären,
weil gab's koa Planung auf dem Bau,
wär' des ein sauberner Verhau.

Sie leben hoch, hoch, hoch

Auch diesem Glas geht's wie dem ersten,
es soll am Boden drunt' zerbersten

Das dritte Glas, das möchte ich kosten
um hier dem Handwerk zu zuprosten:

Für die Demontage
Die Firma Bock & Söhne

und für die gesamten Baumeister Arbeiten
die Alpine Bau Deutschland

Mit eurem Können, eurer Kraft
ist dieser Rohbau nun geschafft
d'rum sei, nach harten Arbeitswochen,
besond'rer Dank euch ausgesprochen.
Ich heb das Glas auf euer Wohl
auf dass das Handwerk leben soll
und dass man nicht nur immer spart:
Sonst kommt das Handwerk nie in Fahrt.

Sie leben hoch, hoch, hoch

Und auch das dritte Glas das wird
den andern Scherben zugeführt.

Bringt Glück dem Haus, der Münchner Stadt
und jedem der hier mitgemacht.
Bringt Glück daß so gut weiter geht,
bis's Haus dann schlüßelfertig steht
und dass am Ende das Ergebnis,
für alle ein Erfolgserlebnis.



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